[Tag 1] A wie Ankommen und Antrag

Ausruhen können wir uns später. (Genau wie das Titelbild, welches noch ergänzt wird)

Der weitere Flug nach Jo’burg und Durban war wenig erwähnenswert und super anstrengend. Bis auf ein furchtbares Abendessen und eine Frau, die sich mal so richtig bei ihrem Mann auskotzen musste, war es eng und stickig, eine typische Nacht in einem Flugzeug.

Beim technischen Stopp in Johannesburg wusste keiner was los ist. Die Flughafen Crew wollte uns aus dem Flugzeug raushaben, Turkish Airlines wollte uns behalten. Hin und her, aufstehen, Handgepäck nehmen und doch im Flugzeug bleiben. Viel Geschreie, viel Langeweile.

Angekommen in Durban ging alles ratzefatz. Formular ausfüllen, Ebola Kontrolle, und da war dem Gepäck schon übel vom Karussell fahren. Nüsse und Früchte und Co müssen beim Zoll angemeldet werden, das Gepäck wird dann geröntgt und weiter diskutiert. Bei unseren zwei Trockenfrüchten und Nüssen gab es kein weiteres Palaver. Nur den Hinweis vom Zollbeamten, dass ich mir das mit dem Wandern noch mal überlegen sollte, wenn ich schon über meinen eigenen Rucksack falle, nachdem ich vor Seinen Augen zwei mal fast den Boden unter den Füßen verloren hätte.

Raus aus dem Gate und niemand da. Hatten wir eigentlich einen Treffpunkt abgemacht? Carins Nummer gespeichert? Oder ihre Adresse aufgeschrieben? Nein! Buß und Neuendorf leben lieber unvorbereitet.

Zehn nervöse Minuten später standen Carin und ihr Mann James vor uns, es hatte nur niemand damit gerechnet, dass wir so schnell sind im Gepäck und allem.

Eine kleine Stadttour (mit abgeschlossenen Türen) durch die umliegenden Sehenswürdigkeiten später waren wir sicher im Haus der Familie Napier angekommen. Hinter Mauer und einem großen Tor.

Dort trafen wir auch den Rest der Familie: die Töchter Morgan, 18, und Bridget, 20, inklusive Freund Campell. Außerdem zwei Hunde und zwei Katzen. Herzerwärmend, wenn man das Tor aufmacht und die beiden Hund, die in einer Hütte auf dem Gelände leben, einen schwanzwedelnd erwarten.

Haus und Grundstück sind wunderschön. Das Haus ist der britisch von der Bauart mit halben Ebenen und großzügiger Lounge und Wohnküche. Auch der Einrichtungsstil gefällt mir unheimlich gut. Alles passt zusammen, die Möbel sind der dunkel, dazu helle und khakifarbene Akzente mit allerlei Chichi ohne überladen zu wirken. Und in der Küche steht eine Couch und ein Sessel, in die man sich reinfläzen kann, was kann man sich mehr wünschen? Dazu eine langen Tafel. Wirklich sehr einladend. Ausserdem habe ich mein eigenes kleines Appartment mit Bad en suite in dem es zwar furchtbar warm ist, aber hey, nur ich!

Aber wir hatten keine Zeit zum ausruhen und bewundern, es ging direkt wieder los (aber nur wenn wir wollen) zu einer Tanzveranstaltung von Carins Nichte. Ein junger Mann hat seiner Holden einen Heiratsantrag gemacht und sie mit einer kleinen Flash mob Tanzeinlage von seinen Qualitäten überzeugt. Das ganze fand in einem Casione/Food Court Dings am Strand statt. Es war ergreifend als auf einmal die Musik losging und Bruno Mars und Co den Gefühlen freien Lauf ließen, die Kinder tanzten und der zukünftige Bräutigam mit wackelte. Und natürlich hat sie den Antrag angenommen.

Auf dem Weg zum Ort des Geschehens sind wir auch an der Promenade entlanggefahren. An den Wochenenden grillen die Menschen dort und trinken und sind froh aus ihren engen Wohnungen rauszukommen und das Meer zu sehen. Die Polizei war auch schon vor Ort und das ganze erinnerte ein wenig an den Westpark im Sommer. Nur mit Meer und Parkplatz.

James ist unser Reiseführer und erklärt auf Fahrten alles auch den politischen Kontext und alles Mögliche. Die ganze Familie ist sehr bemüht uns Südafrika zu erklären, was mich wirklich freut. Aber schon in den ersten Tagen fällt auf, dass das Land erst seit 1994 demokratisch ist und vieles noch seine Zeit brauchen wird, vieles ist für Außensehende nicht sofort fassbar und wirklich schwer einzuschätzen. Aber wir haben noch einiges an Zeit und Erfahrungen vor uns.

Als der Tanzakt vorbei war und die ganze Familie (also auch Carins Schwester inklusive Mann, tanzender Tochter, Sohn und Kumpel) wieder beisammen waren, wurden wir als Ausrede für den schnellen Abflug vorgeschoben. Weil wir so müde waren vom Flug. In Wirklichkeit sind wir Essen gegangen. Lecker Burger mit Pommes und Bier! Mjam. Die Qualität war allerdings nur so semi, ich glaube ich war die Einzige, deren Burger keine Katastrophe war, die Pommes waren in zu kaltem Fett gebacken und die Hälfte der Bestellung ist auf der Strecke geblieben.

Danach ging es zum entspannten Ausklingen des Abends auf die riesenhafte Couch, zusammen mit einem kleinen Wein (den man hier mit Eiswürfeln trinkt). Wir sind früh ins Bett denn am nächsten Tag ging es früh wieder los, denn eine Safari stand an.