[Tag 2] Tala Game Reserve

Zwei von den Big Six schon abgehakt!

Und wieder war die Nacht zu kurz. Um neun Uhr standen wir gebügelt und gestriegelt auf der Matte um zum Familien-Picknick zu fahren. Den Kofferraum voll mit Essen und einer Kühlbox, Mückenschutz und Sonnencreme in den Rucksäcken und den Kameras im Anschlag ging die Reise los. Eine Stunde Richtung Norden zum Tala Game Reserve, vorbei an Industriegebieten, Townships mit Hütten und den Häusern der Besser-Verdiener. Bei einem kurzen Stop an der Tankstelle wurde auch der typisch Südafrikanische Snack für Ausflüge besorgt: Biltong, getrocknetes, gesalzenes Fleisch verschiedener Tiere mit verschiedenen Würzungen. Heute Kudu und Rind. Auch wenn es aussieht wie die Leckereien die Frieda, unser Hund, von mir bekommt, schmeckte Biltong erstaunlich gut. Sehr fleischig und würzig mit Koriander und allerlei Gewürzen. (Demnächst gibt es einen Artikel zu „vegetarisch in SA“, in dem ich mal die Gegebenheiten darlege)

Vor Ort angekommen blieben wir im Auto. Ich weiß nicht, wer von euch schon mal in so einem Reservat war, aber man navigiert sein eigenes Auto durch den Park, so können die Tiere frei rumlaufen, ohne dass für den Menschen eine Gefahr entsteht. Um sicher zu gehen, dass auch keine Gefahr von uns für die Tiere ausging, wurde der Kofferraum kontrolliert. Gut, dass wir das Gewehr in Deutschland gelassen haben. Es scheint aber gelegentlich wirklich zu passieren, dass Wilderer oder Touristen in so einen Park fahren und auf die Tiere ballern. Bescheuerte Menschen.

Zebra

Direkt bei der Einfahrt haben wir Zebras und Kudus gesehen. Zebras sind ganz schön klein. Und diese waren dreckig und nicht strahlend weiß, wie ich es erwartet hatte. Aber bei all dem roten Sand ist es wohl unmöglich, dass sie Perwollweiß bleiben. Eine Möglichkeit sie sauber zu halten wären vielleicht Schutzanzüge. Ich werde mal eine Mail an den Park schreiben, zur Sauberhaltung der Zebras, damit sie touristische Erwartungen erfüllen können.

Die erste Station war der Picknick Bereich, wo wir den Rest der Familie getroffen haben. Jeder hatte etwas mitgebracht. Wir zwei riesige Platten mit allerlei frittierten und marinierten Hähnchenteilen, Carins Schwester brachte eine große Platte Obst und eine mit Kuchen und Muffins mit.

Ihr seht, Picknicks in SA oder zumindest bei Familie Napier sind anders, als unsere. Kein Nudelsalat, kein Kartoffelsalat, kein portabler Grill oder Frikadellen und Marmorkuchen. Dafür hatten sie eine große Auswahl an gekühlten Getränken, die ich so von uns nicht kenne. Saft und Eistee und Cola light und Wasser mit und ohne Kohlensäure und anderer Saft und Brause und, und, und. Bei dem angenehmen 26°C und Wind traumhaft erfrischend.

Wir haben direkt neben einem kleinen Schwimmpool gepicknickt, die Kinder waren beschäftigt mit rumtoben und Vögel füttern (mit Käsecrackerbällchen, was die Vögel super fanden, aber sicher nicht das Prinzip des Parks ist. Aber es sieht lustig aus, wenn ein Spatzen-großer, gelber Vogel ein Bällchen futtert.) Die Erwachsenen haben sich unterhalten und Zeitung gelesen und die Sonne genossen. Es war wirklich nett, auch wenn es bedeckt war. Gut, dass wir trotzdem eingeschmiert waren, der Rest der Familie war am Abend ziemlich verbrannt.

Dann ging es los. In der Nähe der Autos lag schon ein Gnu, die sind ziemlich groß! Irgendwas zwischen Kuh und großem Pferd mit gewaltigen Hörnern. Man nennt sie hier bluehorned Wildbeast, blauhornige Wildviecher.

Ich bin wirklich froh, dass wir in Carins SUV saßen, die Kinder sind im Chevrolet Spark durch die Busch-Straßen gedüst. Busch-Straßen sind nicht befestigt und da es am Wochenende zuvor viel geregnet hatte, auch voll mit Löchern und kleinen Kratern. Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt.

Dafür haben wir auch alle Tiere die der Park zu bieten hat, gesehen. Zu Beginn schon Zebras und Antilopen, dann noch jede Menge Springböcke um ein Wasserloch in der Mittagszeit. Zu ihnen gesellte sich auch ein Warzenschwein, die nicht so süß aussehen wie Pumba, eher ziemlich fies und gefährlich, wie ihre Verwandten, die Wildschweine. Mitten auf der Straße vor uns lag auch ganz gemütlich eine Gnufamilie mit Baby, die sich Gott sei Dank aus dem Staub gemacht haben, als wir fünf Meter davorstanden. Die finden es gar nicht gut, wenn man ihren Kleinen zu nahekommt und werden dann auch eher ausfallend. Strauße stört es allerdings nicht, wenn man ihnen bei der Balz zu guckt. Auch direkt neben dem Auto. Da werden die Federn geschüttelt bis es glüht. (Bevor es zum Verkehr kam, haben wir ihnen Privatsphäre gegönnt.)

Springbock Tala

Dann begann die Sucherei, wo sind die Giraffen und Rinos? Morgan angerufen, dass wir uns austauschen, wenn wir etwas sehen. Sie hatten immerhin schon Rinos gefunden. Und wo sind diese Giraffen? Man sollte meinen, Tiere, mit Hälsen so hoch wie Bäume seien leicht zu finden. Das ist ein Irrtum. Wenn die Bäume höher sind, und sehr grün, sieht man sie einfach nicht. Die Giraffen waren weg. Wir sind dann einem Expedtionsmobil des Parks hinterhergefahren und haben sie durch Schummeln dann doch noch gefunden. Wie kleine Krokusse auf einer Frühlingswiese guckten die Giraffenköpfe aus dem Blätterwald. Ganz schön viele Giraffen futterten gemütlich Blätter und bewegten sich kein Stück.

Wesentlich spannender waren die Nashörner. Die Tiere sind bedroht und hatten persönlichen Wachchutz von zwei Guards mit dicken Gewehren. Und sie waren beeindruckend! Mit ihren wirklich langen und wunderschönen Hörnern standen und lagen fünf Schwarzlippen Nashörner in der prallen Sonne, mitten auf einer Wiese. Die Tiere sind einfach riesig und massiv und majestätisch. Einfach beeindruckend. Das Foto habe ich mit Karinas Kamera gemacht, wir waren ca. 50m weit weg, oder doch mehr? Ziemlich nah auf jeden Fall. Und sie sahen auch gesünder aus, als die traurigen, armen Tiere mit den stumpfen Hörnern aus dem Zoo.

Dann standen noch Nilpferde auf der Liste, die waren aber weniger kooperativ und blieben lieber unter Wasser und haben immer nur kurz Luftgeholt. Trotzdem haben unsere Adleraugen ein Baby erspäht! Trotzdem töten Nilperde jedes Jahr viele Menschen in Afrika, also vorsicht!

Müde und zufrieden ging es dann zurück nach Durban North wo die Reste des Picknicks auf Brötchen verteilt zu Abend gegessen wurden.