[Rezension] In der Küche mit Allain Passard

In den kommenden Wochen darf ich euch verschiedene illustrierte Kochbücher und die dazugehörigen Rezepten vorstellen. Den Anfang macht das Werk von Christophe Blain „In der Küche mit Allain Passard“, eine Einladung in eine drei Sterne-Küche.

Kochbücher großer Köche sind eine schwierige Sache. Ich habe zwei Sorten Buch im Kopf: das eine mit vielen bunten Bildern, ellenlangen Zutatenlisten und utopischen Anforderungen an den heimischen Herd, beim zweiten kann man schon beim ersten Blättern erkennen, dass es am Schreibtisch von einem Ghostwriter entwickelt wurde, die Angaben sind ungenau und der Stil passt nicht zum Koch selbst. Entsprechend kritisch ging ich an Christophe Blains Werk „In der Küche mit Allain Passard“ heran. Mein erster Gedanke war, dass einer der ganz Großen durch einen hübschen Comic mit netten Geschichten aus der Küche ein wenig Geld machen möchte. Aber weit gefehlt!

Das Buch ist groß, gebunden und hat schweres Papier, es ist sehr schön anzufassen, Küchensicher ist das allerdings nicht. Aber wer das Buch durchblättert und sich die 15 Rezepte ansieht, merkt schnell, dass ein Kochbuch auch weniger die Intention des Zeichners war. Vielmehr geht es um die Person Allain Passard, sein Restaurant „L’Arpège“ in Paris und die unendliche Liebe zum Kochen und zu den Lebensmitteln.

Der Autor beginnt seine Erzählung mit seinem allerersten Essen im L’Arpège. Hier wird direkt deutlich, welchen Vorteil Comics zu anderen Medien haben. Mit wenigen Bildern schafft Blain es, dem Leser seinen eigenen Eindruck des Menüs mitzugeben, wie egal auf einmal jedes Tischgespäch wird, wie faszinierend Essen ist und wie glücklich es macht, wie es seine Kindheitserinnerungen zurück ruft und wie schnell und mysteriös Passard auf ihn wirkt. Wie im Rest des Buchs folgen auf diese Anekdoten, die sich dem Restaurant-Alltag, der Crew und den hauseigenen Gemüsegärten widmen, zwei Rezepte. 

In der Küche mit Allain Passard

Die Rezepte nutzen die Wirkung der Bilder ebenfalls eindrucksvoll. Während auf der linken Seite das Rezept ohne genaue Mengenangaben, in einem Fließtext erklärt, steht, ist die rechte Seite wesentlich spannender: sie zeigt die Entstehung des Gerichts, die Inspiration, die geschmackliche Intention, die Umsetzung in der Küche und wie Passard es dem Zeichner erklärt hat.

Rezept aus "In der Küche mit Allain Passard"Illustrationen aus "In der Küche mit Allain Passard"

Mir gefällt nicht nur, dass man die Idee hinter dem Rezept versteht, ich mag auch die Rezepte selber. Leichte, feine, sehr gemüselastige Rezepte, die durch geschickte Kombination besonders werden. Aber das werdet ihr im Laufe der Woche noch sehen, ich stelle euch den Weißkohlsalat mit Sojasauce und Parmesan vor aber auch eine Kartoffelpizza. Die Rezepte sind, erfreulicherweise, größtenteils vegetarisch und die einzelnen Zutaten sind nicht zu exotisch und einfach zu bekommen. Auch die Zubereitung stellt niemanden vor unlösbare Aufgaben. Auf dem Klappentext heißt es passend „Haute Cuisine für den heimischen Herd“. 

Ihr könnt es euch bereits denken: ich bin von diesem Kunstwerk fasziniert, am liebsten würde ich das Studenten-Leben aufgeben und mich direkt wieder aktiv in die Küchen dieser Welt stürzen.
Christophe Blain schafft es durch einfache Zeichnungen und sehr treffende Beobachtungen, Passards Genie in Bilder zu fassen und seine Passion auf den Leser zu übertragen. Er läd den Leser mit dem Buch in das L’Aspège Universum ein, zeigt welche Passion die Köche aufbringen und dass Genie und Wahnsinn gerade in der Gastronomie nah beieinander liegen.
Ansonsten bin ich mit dem Buch noch lange nicht durch. Ich wälze es jetzt schon seit zwei Wochen, ich kann mich aber einfach nicht satt lesen.

Schlussendlich möchte ich euch dieses Buch wirklich ans Herz legen. Es ist im Reprodukt Verlag erschienen und für 17€ kann man es erstehen. 

Die Bilder aus diesem Beitrag sind der Leseprobe zu diesem Buch auf Reprodukt.com entnommen.