[Rezension] Kann denn Kochen Sünde sein?

Das ist die Frage, die Guillaume Long sich (nicht wirklich) in seinem gesammelten, gebundenen und übersetzen Einträgen seines Blogs „A boire et à manger“ stellt.

In den letzten Wochen habe ich schon zwei illustrierte Kochbücher zusammengefasst, einmal „Das persische Kochbuch“ von Gabi Kopp und „In der Küche mit Allain Passard„, gezeichnet von Christophe Ballain. Nach der Pause über die Feiertage ist jetzt „Kann denn Kochen Sünde sein?“ dran.

Die Struktur des Buches

Der erste Eindruck lässt schon durchblicken, dass dieses Buch anders ist, als die anderen. Es ist Im Din A4 Format und strahlend gelb, die Seiten sind schön dick und von oben bis unten vollgeschrieben. 140 Seiten, darauf 27 Rezepte, Reiseberichte aus Venedig und Budapest, kulinarische Neuentdeckungen, Anleitungen zu perfektem Kaffee, Begriffserklärungen und Produkttests. Alles, was einen Menschen mit einer Vorliebe für gutes Essen interessiert. Long ist aber kein Profi, kein Koch oder Konditor, sondern einfach begeistert vom Essen. Ob das daran liegt, dass er Franzose ist?

Das Buch unterteilt er grob in die Jahreszeiten und jede einzelne Geschichte wird mit einem kurzen Bild neben der Überschrift kategorisiert. Es gibt einfache Rezepte in den Schwierigkeitsstufen 1-3, Bestandsaufnamen (Listen mit praktischen Dingen, wie nützlichen Küchenutensilien), Egotrips, in denen Long sich ein wenig in Szene setzt, alles am Anfang des Buches feinsäuberlich erklärt. Das ist auch sehr gut so, denn ansonsten sucht man Ordnung vergebens.

Bei anderen Büchern würde ich das mangelnde System vielleicht vermissen, aber hier irgendwie nicht. In einem wortkargen Bericht über die Wonnen der „Kirschzeit“ sieht man nur Long, wie er einen Kirschbaum leer futtert.  Ein Strip mit dem Namen „Scarface für Nullen“ erklärt, wie man ohne Sauerei (und eventuelles Vertauschen von Mehl und Koks) Fisch mehliert. Und nach diesen Berichten kommt, wie könnte es logisch anders sein, eine Liste mit dem wichtigsten Küchenequipment. Um dem Chaos Herr zu werden, gibt es ein Rezepteregister, sortiert nach Vor-, Haupt- und Nachspeise und einen Index mit Schlagworten und natürlich ein ganz normales Inhaltsverzeichnis.

Die Rezepte

Die einzelnen Rezepte sind, wie bereits erwähnt, nach Anspruch unterteilt. Die einfachen und auch die mittlschweren Rezepte profitieren von der Geschickten Kombination verschiedener Geschmäcker. Mich reizt besonders der Melonensalat mit Feta und ein Gericht mit Orichette und Rübestiel (oder Broccoli) [Zweiteres Rezept ist zwar mit Anchovies, dafür nehme ich aber einfach Kapern.]. Die dritte Unterteilung wird schon mit „schwierige Zubereitung (teilweise auch ein Witz)“ beschrieben. Der Knackpunkt sind ellenlange Zutatenlisten und dogmatische Zubereitungsschritte.  Ob man das Kochen des „perfekten“ Kaffees zwar wirklich extra als Rezept aufführen muss, bleibt fragwürdig. Könnte daran liegen, dass es ein französisches Kochbuch ist… Aber das sind nur Vermutungen. Ein wenig versteckt, fast am Ende des Buches sind zwei Doppelseiten mit vielen, einfachen, aber feinen Appetithappen, genau nach meinem Geschmack. Schnell gemacht und unheimlich lecker.

Es gibt so viel in diesem Buch zu entdecken und das ist vermutlich der Hauptzweck des Buches: darin stöbern und sich über den Enthusiasmus des Autors freuen. Wie er seine Allzweckmühle preist ist einfach herrlich, oder wie er den Worten seines Freundes, der echter Koch ist, ergeben lauscht.

Alles was er schreibt hat irgendwie Hand und Fuß und wirkt, als hätte er es sich selbst beigebracht und in jahrelanger Arbeit perfektioniert und trotzdem fehlt dieser „Besserwisser-Ton“, den manche Kochbücher oft haben. Die Neugier, die Lust auf alles, was mit dem Essen zu tun hat, das bringt Long dem Leser einfach Nahe, die vollgeschriebenen, buten Seiten strotzen vor Informationen und Dingen, die weitergegeben werden müssen.

Fazit

Eigentlich wollte ich dieses Buch an meine Tante weitergeben, wenn ich damit durch bin. Aber keine Chance! Dieses Buch hat mein Herz erobert, weil es einfach dieses typische „Foodie“-Verhalten wiederspiegelt und vor allem mich und meinen Blog. Irgendwie unorganisiert und schnell von einem Thema fasziniert. Bis das nächste kommt, was unbedingt ausprobiert werden muss.

„Kann denn Kochen Sünde sein“ von Guillaume Long erschien im Carlsen-Verlag und kann für 24,90€, zum Beispiel bei Amazon, erworben werden.