[Rezension] Nicht ohne meine Schürze – Guillaume Long

Erinntert ihr euch? Anfang des Jahres habe ich das erste Graphic-Novel Kochbuch Comic von Monsieur Long rezensiert. Zu meiner Freude hat er sich nicht auf seinem Erfolg ausgeruht und direkt ein neues Buch gezeichnet. „Nicht 0hne meine Schürze – vom Essen und Trinken“ nennt sich das neue Werk und hier ist, was ich davon halte.

Teil eins, „Kann denn Kochen Sünde sein“ hat mich schwer begeistert. So leicht, so charmant, so verstrahlt wie Lebensmittel-Enthusiasten nun mal sind. Ob es jedoch einen zweiten Teil braucht? Ich war skeptisch, aber auch neugierig! Umso mehr freute ich mich, das große, grüne Buch mit den bunten Seiten in den Händen zu halten.

Aufbau des Buchs

Nach einer kurzen Einleitung über das aufregende Leben als Comichbuchautor folgen die vier altbewährten Kapitel: Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Die einzelnen Geschichten werden oben am Seitenrand mit verschiedenen Symbolen gekennzeichnet. Es gibt drei Schwierigkeitsstufen für die Rezepte, Geschichten aus Longs Leben, Restaurant Kritiken und allerlei andere Kategorien, alle auf den ersten Seiten erklärt. Chronologisch in den Jahreszeitlichen Ablauf eingebettet, finden sich kleine Reiseführer und Exkursionen, etwa nach Stockholm oder in eine Brauerei.

Wo auch immer sich Platz fand, werden in kurzen Strips Begriffe aus der Küche erklärt (und auch womit man sie nicht verwechseln sollte). Der erste Eindruck lässt das Buch sehr unübersichtlich erscheinen, aber zusammen mit Inhaltsverzeichnis, Rezepteregister und den kleinen Symbolen findet man sich schnell zurecht.

Rezepte und Geschichten

Das vieleitige Buch läd, genau wie sein Vorgänger, zum Schmökern ein. Man schlägt das Buch irgendwo auf und landet bei einer Geschichte über die AMAP Körbe (so etwas wie Abo-Kisten für Gemüse auf französisch) und die mühseligen Freuden des frischen Spinats, daneben ein Rezept für Kaninchen à la biere. Man liest es, obwohl Kaninchen doch auf die Wiese und nicht auf den Teller gehören, doch das Rezept klingt gut. Also liest man weiter. Über Kindheitserinnerungen an Süßigkeiten, die beim Zahnarzt erst wieder wach werden. So niedlich! Aber was ist das auf der nächsten Seite? Ein Rezept von der Mafia für Spaghetti Carbonara? Lustig. Oder das Rezept vom Spaghettiküribis und was der mit Star Wars und Nerds zu tun haben.

So verstecken sich auf 121 Seiten 24 Rezepte, dazu Produkttips, Kindheitserinnerungen, und so viel mehr, was sich gar nicht kategorisieren lässt. Besonders gut gefielen mir die „10 Antworten wenn man dich zwingen will etwas zu essen“. Long ermutigt Kinder sich nicht alles unterjubeln zu lassen und hält somit wohl mehr den Eltern den spiegeln vor. Ich nutze ein paar davon sicher das ein oder andere mal, wenn irgendjemand mich mal wieder belehren will, was ich essen soll und warum irgendwas gesund für mich ist.

Fazit

„Nicht ohne meine Schürze“ ist so gelungen wie sein Vorgänger. Die Rezepte kommen mit wenigen Mengenangaben aus, es geht viel um Gefühl und darum, wie man mit Produkten umgehen kann. Das alles schafft Long ohne dabei pathetisch oder irgenwie seltsam zu werden. Kein unnötiges Brimborium, kein Schnickschnack, sondern viel Ehrliches aus Longs Küche und Leben mit einer Prise Selbstironie machen das Buch so sympathisch. Ich kann jedem, der kein reines Rezeptbuch sucht, egal, ob für sich oder jemanden zu Weihnachten, auch diesen Band nur ans Herz legen.

Das Buch ist im Carlsen-Verlag erschienen und kann für 24,90€ erworben werden.